Kapitel 74 - Der gestiefelte Kater

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  • Als ich am nächsten Morgen aufwachte hatte ich höllische Kopfschmerzen. Das war nach der Sause aber ehrlich gesagt auch kein Wunder. Wobei man eigentlich erwähnen sollte das mit „der nächste Morgen“ irgendwann nach 16 Uhr am nächsten Tag bedeutete. Soweit ich mich noch erinnern konnte war ich nämlich erst um 7 Uhr morgens ins Bett gegangen.

    Ich blickte um mich. Wie erwartet war ich in einem der Zimmer, die im Restaurant hergerichtet worden waren. Neben mir lag schlummernd die kleine Lara. Ihre Augenlider zuckten, was darauf hindeutete, dass sie träumte. Hoffentlich angenehm. Ich küsste sie auf die Stirn und schwang mich dann mit dem linken Bein voran, wie ich es bereits seit Jahren tat, aus dem Bett. Es sah ziemlich wild im Zimmer aus und ich konnte mir keinen Reim drauf machen, was hier geschehen war. Ich streifte mir das Hemd des vorangegangenen Abends über, suchte meine Hose und öffnete dann die Tür.

    Im Gang vor eben dieser Tür sah es glücklicherweise ordentlich auch. Zweit Türen weiter trat in diesem Moment Thomas Schmitt aus der Tür. Er war ein alter Freund und Kamerad. „Guten Morgen, Major!“, grüßte er lachend während er auf mich zu kam. Dann klopfte er mir auf die Schultern. „Ach Tom, das war die wildeste Hochzeitsparty auf der ich je war. Und du weißt, ich war schon auf vielen Partys…“

    Das stimmte. Denn bevor Thomas mit 25 Jahren zum Militär gekommen war, war er Betrüger gewesen. Seine Masche hatte darin bestanden etwas mit weiblichen Verwandten des Brautpaares anzufangen und dann auf die Hochzeit eingeladen zu wer-den. So hatte er über Jahre hinweg gelebt. Irgendwann hatte man ihn geschnappt. Und da ich selbst ein faules Früchtchen gewesen war, hatte man ihn zu mir in die Einheit gesteckt.

    „Danke für das Kompliment, Tom“, antwortete ich. Da man Thomas auch mit Tom abkürzen konnte, hatte man ihn einfach nur Tom gerufen, da ich ja auch ein Tom war. Vor allem die Bosse hatten das wahnsinnig lustig gefunden. Ich nicht so, aber naja… „Kommst du mit nach unten? Ich denke, ich rieche Kaffee.“ „Ja, klar.“ Als wir nach unten, in die große Halle kamen sah ich, dass mich mein Näschen nicht getrogen hatte. An einer langen Tafel saßen bereits einige Leute und tranken Kaffee oder Tee. Dazu wurden Tiroler Nusskuchen serviert die Lara und ich vor einigen Tagen gebacken hatten. Eine Kellnerin kam uns mit Tellern und Tassen entgegen. Dankbar nahmen wir beides an. Ich muss sagen: Wir hatten nicht schlecht gebacken.

    „Gut geschlafen, Tom?“, tönte es jetzt von der Seite. Als ich neben mich blickte sah ich einen ziemlich betröbbelt aussehenden Sekretär. „Herr Sánchez“, sagte ich auf Deutsch, „alles ist gut. Der Gummibaum hat keine bleibenden Schäden und es wird jetzt sicher auch niemand schlecht über Sie denken. Im Gegenteil. Ich bin stolz auf Sie. Sie haben Ihren verklemmten Hintern geschwungen.“ Ich streckte ihm die Tasse entgegen. „Ich bin Tom“, sagte ich zu ihm. Er strafte sich ein wenig dann streckte er ebenfalls die Tasse hoch und verkündete: „Fabio!“ Es klirrte und damit war die Sache besiegelt. „Wie sieht es denn aus Fabio? Schon jemand gegangen?“ „Ja, die ehemalige mexikanische Präsidentin ist bereits heute Morgen um viertel nach 7 wieder gegangen. Sie hat heute ein Treffen mit dem Präsident der Vereinigten Welt. Sonst noch niemand glaube ich!“

    „Süßer…“, tropfte es hinter mir von der Treppe. Ich drehte mich um und wer kam dort elegant und geschmeidig die Stufen herunter? Genau! Die kleine Lara! Als sie auf mich zu kam ging ich sicherheitshalber in Deckung. „Schatz, was auch immer du vorhast. Warte damit noch bis der Kaffee wirkt, denn momentan hab ich einen gigantischen Kater. Wenn ich mir jetzt noch Lederstiefel anziehe, dann bin ich quasi der gestiefelte Kater.“ Schmollend ging sie in Richtung des Buffets. Ein anzügliches „Rawrrrr“ konnte sie sich allerdings auch nicht verkneifen…
    mfg CIA JOE
    Danke an SLP Design für den Avatar!

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